

Bei der Entwicklung des Jakobus-Kultes in Mitteleuropa spielt das Rheinland eine wichtige Rolle. Der Rhein entwickelte sich seit dem Hochmittelalter zu einem der bedeutendsten Kommunikations- und Transportwege sowohl für materielles als auch geistiges Kulturgut. Berichte und handgeschriebene Texte über Leben, Martyrium, Mission und Grab des Heiligen Jakobus des Älteren (Vita), des einzigen im abendländischen Westen begrabenen Apostels, fanden seit dem zehnten und elften Jahrhundert außergewöhnliche Verbreitung (Patron).
Durch die verkehrsgünstige Lage war das Rheinland schon früh in das Pilger- und Kultgeschehen um den Heiligen Jakobus eingebunden. Bereits aus dem Jahr 1076 gibt es die Nachricht, dass ein Blinder namens Folbert sich auf dem Weg nach Compostela in Trier aufhielt und zum Auffinden der Reliquien der Märtyrer von Trier beitrug. Aus dem zwölften Jahrhundert stammt der Bericht einer rheinischen Pilgerin über die Beschwernisse auf dem Weg nach Compostela, die unter anderem in den Anno-Mirakeln belegt sind (Pilgerberichte, historischer Bericht 2). Und die legendären Taten Karls des Großen auf der spanischen Halbinsel finden sich im Pseudo-Turpin des "Jakobus-Buches" (Liber Sancti Jacobi), das in verschiedenen Texten in ganz Europa verbreitet war (Karlslegende). So sind sie schon im zwölften Jahrhundert in Aachen bekannt. Zu den am meisten in rheinischen Adelskreisen gelesenen, handgeschriebenen Büchern gehörte der Bericht des niederrheinischen Adeligen Arnold von Harff über seine umfangreichen Pilgerreisen (1496-1499) (Pilgerberichte, historischer Bericht 1).
Viele Wege der Jakobus-Pilger führten zwangsläufig durch die Rheinlande (Rheinische Wege). Auch der Rhein selbst diente – wie andere Flüsse auch - als Pilgerweg. Wer es sich leisten konnte, reiste flussabwärts und schiffte sich in den Häfen der Nordsee nach Spanien ein. So wurde der beschwerliche und auch gefährliche Landweg vermieden. Herbergen und Hospitale (Pilgerfürsorge) für die Pilger waren in jeder Stadt vorhanden. Das Hospital zum Ipperwald in Köln zum Beispiel, das 1349 als Pilgerherberge begründet wurde, war eine der größten Institutionen seiner Art im Deutschen Reich.
Seit dem Mittelalter beschäftigen sich rheinische Kunstwerke (Kunst und Kultur) von Weltrang mit Jakobus. In rheinischen Kirchen oder in wertvollen Handschriften ist Jakobus als Apostel oder als Pilger abgebildet. Wer sich auf den Weg macht, wird im Rheinland auf zahlreiche Spuren des Jakobus-Kultes stoßen.
Plötz, Robert: Wege der
Jakobspilger. In: Jakobswege. Wege der Jakobspilger im Rheinland, Band
1, Köln, zweite überarbeitete
Auflage 2002, Seite 8-17.